Die Polizei in NRW will Künstliche Intelligenz stärker nutzen. Neue KI-Server sollen bei Ermittlungen und der Prävention von Straftaten helfen.
Noch in diesem Jahr will die Polizei in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit mit Künstlicher Intelligenz (KI) deutlich ausweiten. Geplant ist der Einsatz einer KI, die eigenständig Social-Media-Kanäle und sogar verschlüsselte Foren durchforstet, um Hinweise auf Anschlagspläne zu finden. Die KI soll außerdem in der Lage sein, Nachrichten in Echtzeit zu übersetzen. Dafür wird im Rhein-Erft-Kreis eine spezielle Hardware-Anlage installiert. Ziel ist es, Massendaten effizienter auszuwerten und so die Ermittlungsarbeit zu verbessern.
Bisherige Erfahrungen mit KI bei der Polizei
Die Polizei in NRW nutzt bereits seit Jahren KI-gestützte Software. Ein prominentes Beispiel ist das Programm „Gotham“ der US-Firma Palantir, das seit etwa vier Jahren im Einsatz ist. Diese Software hilft dabei, Straftaten zu verhindern, bevor sie entstehen. So konnte beispielsweise eine anonyme Amokdrohung aufgeklärt werden. Darüber hinaus wird die Software genutzt, um vorherzusagen, in welchen Wohngebieten verstärkt mit Einbrüchen zu rechnen ist. Auch bei der Analyse von Datenmengen im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Kinderpornografie kommt KI bereits zum Einsatz.
Kritik an der Nutzung von KI
Trotz der Erfolge gibt es auch erhebliche Kritik an der Nutzung von KI durch die Polizei. Besonders die Zusammenarbeit mit der Firma Palantir sorgt für Diskussionen. Datenschützer und die Opposition kritisieren, dass Palantir dem Multimilliardär Peter Thiel gehört, einem prominenten Unterstützer vom US-Präsident Donald Trump. Zudem ist die Software äußerst kostspielig: Für sechs Jahre Nutzung zahlt das Land NRW 39 Millionen Euro. Datenschützer sehen außerdem kritisch, dass Palantir polizeiliche Datenbanken miteinander verknüpft, was potenziell sensible Informationen gefährden könnte.
Das sind Zukunftsperspektiven
Die geplante Ausweitung des KI-Einsatzes zeigt, dass die Polizei in NRW verstärkt auf technologische Innovationen setzt, um ihre Arbeit zu optimieren. Gleichzeitig bleibt die Debatte um Datenschutz und Kosten ein zentraler Punkt, der auch in Zukunft für Diskussionen sorgen dürfte.
Die neuen KI-Server sollen noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Ob sie die Erwartungen erfüllen und die Ermittlungsarbeit tatsächlich revolutionieren können, wird sich in der Praxis zeigen.
POL-LZPD: Polizei NRW baut eigene KI-Infrastruktur aus
Minister Reul: „Beim Kampf gegen Terrorismus soll Künstliche Intelligenz den Sicherheitsbehörden künftig noch besser unter die Arme greifen.“
Die Polizei Nordrhein-Westfalen baut eine eigene Infrastruktur zur Bereitstellung von Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) aus. Voraussichtlich im Sommer wird das erste Hardware-Modul dazu an das Polizeinetz angeschlossen. Bereits seit mehreren Monaten wird intensiv an der Beschaffung und Ausstattung einer eigenen KI-Infrastruktur für die gesamte Polizei NRW gearbeitet.
Innenminister Herbert Reul: „Die Polizei muss auf digitale Kriminalität moderne Antworten geben. In einer Welt voller digitaler Spuren müssen wir Schritt halten. Und da geht kein Weg an Künstlicher Intelligenz vorbei. Beim Kampf gegen Kinderpornografie ist Künstliche Intelligenz schon nicht mehr wegzudenken. Denn die hilft uns dabei, Täter schneller zu finden und Kinder besser zu schützen. Auch beim Kampf gegen Terrorismus soll Künstliche Intelligenz den Sicherheitsbehörden künftig noch besser unter die Arme greifen. Damit gehen wir einen weiteren großen Schritt nach vorne.“
Die Technik befindet sich bereits in der Fertigung und wird voraussichtlich im Sommer 2025 in Form eines mobilen Rechenzentrum-Moduls in den Kölner Raum geliefert. Als Standort erfüllt die Kreispolizeibehörde Rhein-Erft-Kreis alle Voraussetzungen – dazu gehören neben einem geeigneten Stellplatz vor allem eine leistungsstarke Energieversorgung sowie eine zuverlässige Sicherheitsarchitektur.
Noch in diesem Jahr sollen erste KI-Anwendungen für die Analyse von Massendaten – insbesondere im Bereich Text und Sprache – oder für die Übersetzung von Fremdsprachen in dieser Infrastruktur laufen und einem breiten Kreis an Polizistinnen und Polizisten zur Verfügung stehen.
Innenminister Herbert Reul: „Beim Thema Künstliche Intelligenz leistet die Polizei NRW Pionierarbeit. Doch das ist nur der Anfang. Künstliche Intelligenz lernt von Anfang an und entwickelt sich stetig weiter. Das hilft, Arbeitsprozesse zu verschlanken und sich mehr auf den eigentlichen Job zu konzentrieren.“
Im Innovation Lab des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW verfügt die Polizei NRW bereits seit einiger Zeit über eigene KI-Technik, mit der polizeiliche Einsatzmöglichkeiten entwickelt und getestet werden können. Die Erfahrungen des Innovation Labs fließen genauso in die neue KI-Infrastruktur ein, wie die Praxiserfahrungen im Bereich der KI-Ermittlungsunterstützung des Landeskriminalamtes NRW.
Als Reaktion auf den Terroranschlag von Solingen am 23. August 2024 hat die nordrhein-westfälische Landesregierung mit dem sogenannten Sicherheitspaket umfassende Maßnahmen in den drei Säulen Sicherheit, Migration und Prävention beschlossen. Das Reformpaket beinhaltet neue rechtliche Befugnisse für die Sicherheitsbehörden, fördert den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im digitalen Raum und erleichtert den Datenaustausch zwischen allen Behörden.
Quelle: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/67238/6061503