Japan: Polizei will soziale Medien mit KI durchsuchen

Die japanische Polizei plant ab 2026 den Einsatz künstlicher Intelligenz, um Beiträge in sozialen Netzwerken zu analysieren. Nach Angaben der National Police Agency soll ein System entwickelt werden, das potenziell bedrohliche Inhalte erkennt. Laut South China Morning Post ist dafür ein Budget von rund 49,5 Millionen Yen (umgerechnet rund 284.000 Euro) vorgesehen.

Die Software soll Schlüsselwörter und Codes identifizieren, die in Japan in Zusammenhang mit Drohungen genutzt werden. Dazu gehören Begriffe wie „bakudan“ (Bombe) oder Abkürzungen wie „56su“ (töten) und „4ne“ (sterben). Außerdem werden ältere Beiträge eines Accounts einbezogen, um mögliche Muster zu erkennen. Japan Today berichtet, dass das System jedem Nutzer einen Risikowert zuweist, damit die Polizei Prioritäten setzen kann.

Die Maßnahme richtet sich insbesondere gegen sogenannte „Lone Wolves“, also Personen, die unabhängig von Organisationen handeln. Anlass für die Entwicklung waren zahlreiche Drohungen im Umfeld der Oberhauswahlen im Juli 2025. Nach Angaben der South China Morning Post stufte die Polizei 889 Beiträge als potenziell gefährlich ein.

Die Diskussion um den Einsatz der Technologie steht auch im Zusammenhang mit Gewalttaten gegen Politiker in den vergangenen Jahren. Im Juli 2022 wurde der frühere Premier Shinzo Abe während einer Wahlkampfrede in Nara erschossen. Im April 2023 überlebte Premier Fumio Kishida nur knapp einen Anschlag in Wakayama, als ein Mann eine Rohrbombe in Richtung der Bühne warf, kurz bevor Kishida eine Rede halten wollte. Beide Vorfälle hatten in Japan große Aufmerksamkeit erregt und die Debatte über die Sicherheit politischer Veranstaltungen neu entfacht.

Quelle: https://www.golem.de/news/sicherheit-japans-polizei-will-soziale-medien-mit-ki-durchsuchen-2509-200275.html

https://www.scmp.com/week-asia/politics/article/3325890/japan-ai-powered-policing-thwart-lone-wolf-threats-sparks-civil-liberties-concerns