Sicherheit 4.0: Schleswig-Holstein setzt auf KI und Gesichtserkennung

In Schleswig-Holstein wird derzeit intensiv darüber diskutiert, wie Polizei und Behörden auf die steigende Zahl von Messerangriffen reagieren sollen. Auslöser war unter anderem der tödliche Angriff von Brokstedt vor einem Jahr. Nun liegt ein Gesetzentwurf auf dem Tisch, der tief in die Polizeiarbeit eingreifen könnte – mit Künstlicher Intelligenz, Videoüberwachung und sogar Gesichtserkennung.

Die Landesregierung möchte der Polizei „zeitgemäße Instrumente“ an die Hand geben, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Konkret geht es um drei große Bausteine:

  1. KI-gestützte Datenanalyse
    Die Polizei sammelt riesige Datenmengen. Künftig soll eine Software diese automatisch auswerten und Muster erkennen. Das soll die klassische „Ermittlungstafel“ ersetzen, die man sonst nur aus Krimis kennt. Wichtig: Man setzt bewusst nicht auf US-Lösungen wie Palantir, sondern auf eine europäische Software – um das hohe Datenschutz-Niveau einzuhalten.
  2. Mehr Videoüberwachung
    An Kriminalitätsschwerpunkten sollen Kameras ausgebaut werden. KI-Systeme sollen automatisch erkennen, wenn es zu einer gefährlichen Situation kommt. Die Polizei erhält dann einen Hinweis und kann sofort eingreifen.
  3. Gesichtserkennung unter Auflagen
    Schleswig-Holstein will die „biometrische Fernidentifizierung“ einführen. Allerdings nur unter strengen gesetzlichen Bedingungen – und gemeinsam mit anderen Bundesländern entwickelt.

Die Pläne stoßen nicht nur auf Zustimmung. Kritiker weisen auf mehrere Punkte hin:

  • Datenschutz: Auch Opfer, Zeugen oder Notruf-Anrufer könnten in die Analyse einbezogen werden – nicht nur Täter.
  • Grundrechte: FDP und SPD mahnen zur Vorsicht. FDP-Politiker Bernd Buchholz spricht von möglichen „massiven Eingriffen“. SPD-Abgeordneter Niclas Dürbrook zweifelt zudem an der tatsächlichen Wirksamkeit der Maßnahmen – und fordert mehr Tempo bei der Umsetzung.

Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) betont, dass der Entwurf im Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und Sicherheit der Gemeinschaft entwickelt wurde. Ihre Leitlinie: Verhältnismäßigkeit.

Der Gesetzentwurf geht nun in die Anhörung. Ein Beschluss durch den Landtag könnte im kommenden Jahr folgen. Sollte das passieren, wäre Schleswig-Holstein eines der ersten Bundesländer, das Künstliche Intelligenz und Gesichtserkennung systematisch in die Polizeiarbeit integriert.

Die Diskussion zeigt, wie stark moderne Technologien bereits in die Sicherheitsdebatte hineinspielen. Für die einen ist es ein längst überfälliger Schritt hin zu einer Polizei auf der Höhe der Zeit. Für andere droht der Einstieg in eine Überwachungsgesellschaft. Die spannende Frage bleibt: Findet Schleswig-Holstein den richtigen Mittelweg zwischen Freiheit und Sicherheit?

Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/messerangriffe-so-soll-die-polizei-in-sh-fuer-mehr-sicherheit-sorgen,sicherheitspaket-118.html


Die Landesregierung hat heute öffentlich über die erste Kabinettsbefassung eines Gesetzes zur Fortentwicklung polizeilicher Maßnahmen für einen wirksamen Schutz der öffentlichen Sicherheit informiert. Mit dem Gesetzentwurf setzt die Landesregierung zentrale Inhalte des im vergangenen Jahr beschlossenen Maßnahmenpakets zu Sicherheit und Prävention um. Die Parlamentarische Geschäftsführerin und polizeipolitische Sprecherin Birte Glißmann begrüßte heute den Aufschlag der Landesregierung: „Schwarz-Grün handelt im Bereich der inneren Sicherheit weiterhin konsequent.“

Mit der vorgelegten Änderung des Landesverwaltungsgesetzes würden die Vereinbarungen aus dem Sicherheitspaket, darunter insbesondere die Ausweitung des Präventivgewahrsams und der elektronischen Aufenthaltsüberwachung, umgesetzt und so die Sicherheitsarchitektur des Landes weiter gestärkt. „Mit der vorgelegten Änderung des Landesverwaltungsgesetzes werden die Vereinbarungen aus dem Sicherheitspaket und die Ankündigung zur Ausweitung des Präventivgewahrsams und der elektronischen Aufenthaltsüberwachung umgesetzt und so unsere Sicherheitsarchitektur weiter gestärkt“, so Glißmann.

Mit dem Gesetzespaket sollen der Polizei weitergehende Befugnisse eingeräumt werden, insbesondere um der steigenden Zahl an Messerangriffen wirksam begegnen zu können. Ein zentraler Bestandteil sei hierbei der verstärkte Einsatz modernster Videotechnik. Damit solle erreicht werden, Straftaten vorzubeugen, die Aufklärung zu beschleunigen und zugleich das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu stärken. Glißmann betonte in dem Zusammenhang: „Die Sicherheit wird von unterschiedlichen Seiten bedroht. Es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass sich die Menschen im öffentlichen Raum sicher und angstfrei bewegen können.“

Dazu hob sie hervor, dass durch Mustererkennung Gefahrensituationen künftig frühzeitiger identifiziert, werden könnten. „Durch den Einsatz intelligenter Videoüberwachung können Verhaltensmuster, die auf die Begehung einer Straftat hindeuten, schneller und zuverlässiger erkannt werden. Wichtig dabei ist, dass weiterhin ein Mensch darüber entscheidet, ob zusätzliche Maßnahmen eingeleitet werden, wenn sich auffällige Bewegungsmuster zeigen und dass der Datenschutz gewahrt wird.“ Auch die Einführung von Regelungen zur biometrischen Identifizierung, einschließlich der Gesichtserkennung, seien Teil des Maßnahmenpakets, um schwerste Straftaten zu verhindern.

Eine automatisierte Datenanalyse könne zudem eine wertvolle Unterstützung für die Polizeiarbeit sein und zu spürbaren Entlastungen beitragen. Der Gesetzentwurf schaffe die erforderliche Rechtsgrundlage, um große Datenmengen effizienter auszuwerten, komplexe Analysen zu erleichtern und Zusammenhänge schneller zu erkennen.

Neben der Umsetzung des Sicherheitspakets sehe der Entwurf vor, die Schwelle für die Anordnung des Präventivgewahrsams zu senken sowie die Einsatzmöglichkeiten der elektronischen Fußfessel zu erweitern. Abschließend machte Glißmann deutlich: „Mit all diesen Maßnahmen reagiert Schwarz-Grün auf die veränderte Bedrohungslage und gibt unserer Polizei zeitgemäße Befugnisse, um unsere Sicherheit zu stärken und damit auch unsere Freiheit zu sichern.“

Quelle: https://www.cdu.ltsh.de/blog-beitrag/landesregierung-stellt-gesetzentwurf-fuer-sicherheitspaket-vor.html

Grenzkontrollen 4.0: Was der stufenweise Rollout von EES und ETIAS für Deutschland und Europa bedeutet

Im Oktober beginnt eine neue Ära der europäischen Grenzsicherheit: das Einreise-/Ausreisesystem (EES) startet stufenweise. Es wird alle Ein- und Ausreisen von Drittstaatsangehörigen digital erfassen – mithilfe von Biometrie wie Fingerabdrücken und Gesichtserkennung. Darauf aufbauend folgt später das Europäische Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS). EES ist also die notwendige technische und organisatorische Grundlage, bevor ETIAS überhaupt in Betrieb gehen kann.

Dieser Schritt ist nicht nur eine Modernisierung der Grenzkontrollen. Er steht im größeren Kontext eines Europa 4.0, in dem Technologie, Künstliche Intelligenz und Sicherheitspolitik zunehmend verschmelzen.


Mit der Einführung von EES betreten Deutschland und Europa die nächste Stufe digitaler Transformation. Ein digital vernetztes Grenzkontrollsystem bedeutet, dass Staaten künftig schneller, effizienter und präziser agieren können – nicht nur im Grenzschutz, sondern auch in der inneren Sicherheit. Dies ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem Europa 4.0, in dem KI, Big Data und Automatisierung zu zentralen Bausteinen politischer und gesellschaftlicher Entwicklung werden.

EES und ETIAS stützen sich auf biometrische Verfahren. Mit jeder gesammelten Datenspur wächst die Grundlage für den Einsatz künstlicher Intelligenz, die Muster erkennt, Risiken vorhersagt und Entscheidungen unterstützt. Bereits jetzt zeichnen sich erste Pilotprojekte ab, die KI-gestützte Risikoanalyse an den Grenzen einsetzen.

Entscheidend ist hier die Tiefe der biometrischen Analyse: Während EES klassische Verfahren wie Gesichtserkennung und Fingerabdrücke nutzt, werden in Zukunft durch neuronale Netze und Deep Learning ganz neue Dimensionen möglich. KI-Systeme könnten dann nicht nur Gesichter vergleichen, sondern auch Verhaltensmuster, Stressindikatoren oder Bewegungsprofile in Echtzeit auswerten.

Eines der Kernziele von EES und ETIAS ist es, Sicherheit und Freiheit gleichermaßen zu schützen. Mit modernster Technologie können Gefahren wie organisierte Kriminalität, illegale Migration und Terrorismus effektiver bekämpft werden. Gleichzeitig sollen Schutzsuchende durch schnellere Verfahren gerechter behandelt werden. Technik wird hier zum Werkzeug für mehr Humanität, Effizienz und Transparenz – vorausgesetzt, Datenschutz und Grundrechte werden konsequent mitgedacht.

Ein entscheidender Faktor ist die Akzeptanz von Biometrie und KI in der Gesellschaft. Während viele Bürger den Nutzen moderner Technologien im Alltag schätzen, gibt es gleichzeitig Skepsis bezüglich Überwachung, Datenschutz und möglichem Missbrauch. Der Erfolg von EES und ETIAS hängt stark davon ab, wie gut die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit kommuniziert wird. Transparenz, klare rechtliche Rahmen und Vertrauen in staatliche Institutionen sind hier Schlüsselfaktoren.


  • Szenario 1 (optimistisch): EES etabliert sich reibungslos, ETIAS folgt, und beide Systeme führen zu mehr Sicherheit, schnelleren Grenzübertritten und höherer Bürgerzufriedenheit. Die Technologie wird als Fortschritt wahrgenommen.
  • Szenario 2 (kritisch): Verzögerungen und technische Probleme schwächen das Vertrauen in die Systeme. Kritik an Datenschutz und möglicher Diskriminierung führt zu gesellschaftlicher Polarisierung.
  • Szenario 3 (gemischt): Die Systeme funktionieren, bringen aber zusätzliche Bürokratie für Reisende. Der Sicherheitsgewinn wird anerkannt, die Akzeptanz bleibt jedoch gespalten.

Was bedeutet die Einführung von EES und ETIAS langfristig? Möglicherweise markieren sie nur den Anfang einer Entwicklung, die in Projekten wie Psyche mündet – einem Konzept, das Biometrie, KI und Sicherheitsarchitekturen weiterdenkt.

  • Technologischer Meilenstein: EES/ETIAS schaffen die Datenbasis, auf der KI-Systeme für Echtzeit-Analysen und neuronale Mustererkennung aufbauen können.
  • Neuronale Ebene: Während EES biometrische Rohdaten speichert und ETIAS regelbasiert auswertet, würde Psyche auf neuronaler Ebene arbeiten: KI analysiert Verhaltensmuster, erkennt Anomalien und entwickelt Vorhersagen, um Bedrohungen frühzeitig zu verhindern.
  • Gesellschaftlicher Meilenstein: Mit wachsender Akzeptanz von Biometrie wird auch der Weg frei für zukünftige, noch tiefer integrierte Technologien.
  • Politischer Meilenstein: Europa könnte mit Psyche ein Modell für die Welt schaffen, das zeigt, wie Technologie, Sicherheit und Freiheit zusammengedacht werden können – als Schutzschild gegen Bedrohungen, aber auch als Garant für Humanität und Gerechtigkeit.

Der stufenweise Rollout von EES und der spätere Start von ETIAS sind weit mehr als technische Projekte. Sie markieren einen Kulturwandel in der europäischen Sicherheitsarchitektur. Europa stellt die Weichen für ein neues Zeitalter, in dem Technologie, KI und Biometrie nicht nur Mittel zur Grenzsicherung sind, sondern Träger einer größeren Vision: ein Europa, das Sicherheit, Freiheit und Humanität im digitalen Zeitalter neu austariert.

Mit Projekt Psyche eröffnet sich die Perspektive auf eine Zukunft, in der biometrische Erkennung auf neuronaler Ebene Realität wird – und damit eine Sicherheitsarchitektur, die Bedrohungen vorausschauend erkennt, gerechter entscheidet und das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen kann.

Der Erfolg hängt jedoch davon ab, ob es gelingt, die Bevölkerung mitzunehmen, Vertrauen zu schaffen und Technologie verantwortungsvoll einzusetzen. Nur dann wird aus EES und ETIAS ein echter Meilenstein auf dem Weg zu Europa 4.0 – und vielleicht der erste Schritt in Richtung Psyche.


Projekt Psyche ist ein Zukunfts- und Forschungskonzept. Es baut gedanklich auf den heute eingeführten Systemen EES (Einreise-/Ausreisesystem) und ETIAS (Reisegenehmigungssystem) auf, geht aber technologisch und gesellschaftlich einen entscheidenden Schritt weiter.

Sicherheit und Humanität durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), Biometrie und modernen Technologien – nicht nur reaktiv, sondern präventiv.

  • Meilenstein nach EES/ETIAS
    Während EES und ETIAS vor allem die Bewegungen von Personen regeln und Daten erfassen, versteht sich Psyche als nächste Evolutionsstufe: Es wertet Daten auf neuronaler Ebene aus.
  • Neuronale Biometrie
    KI-gestützte Systeme könnten künftig nicht nur Gesichter oder Fingerabdrücke vergleichen, sondern auch Verhaltensmuster, Stressindikatoren und Bewegungsprofile erkennen und bewerten.
  • Ganzheitliche Gefahrenabwehr
    Ziel ist es, Bedrohungen wie Terrorismus, organisierte Kriminalität oder Gefahren für Schutzsuchende frühzeitig zu erkennen, bevor sie akut werden.
  • Humanität und Gerechtigkeit
    Durch intelligente Systeme könnten Entscheidungen schneller, fairer und objektiver getroffen werden – z. B. bei der Frage, wer eine Bedrohung darstellt und wer Schutz benötigt.
  • Gesellschaftliche Dimension
    Entscheidend ist die Akzeptanz: Nur wenn Bürger Vertrauen in die Technologie haben, kann Psyche Realität werden. Datenschutz, Transparenz und Rechtsstaatlichkeit sind dafür die Basis.

EES und ETIAS = die Grundlage (praktische Umsetzung biometrischer Grenzkontrollen).
Projekt Psyche = die Vision (eine KI-gestützte Sicherheitsarchitektur, die auf neuronaler Ebene arbeitet und Sicherheit, Gerechtigkeit und Humanität im Europa 4.0 vereint).