Mars Sample Return (MSR): 2026 als mögliches Schlüsseljahr

Die Rückführung von Proben vom Mars zur Erde – bekannt als Mars Sample Return (MSR) – gilt als einer der nächsten großen Schritte der planetaren Forschung. Erstmals könnten Gesteins- und Bodenproben eines anderen Planeten unter irdischen Laborbedingungen untersucht werden. Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn würde zentrale Fragen zur früheren Habitabilität des Mars, zu seiner geologischen Entwicklung und zu möglichen Biosignaturen betreffen.

Parallel dazu besitzt MSR eine strategische Bedeutung für die langfristige Marsforschung. Die Mission wird häufig als technologische und organisatorische Vorstufe für spätere bemannte Marsmissionen betrachtet. Bereits heute hat der NASA-Rover Perseverance damit begonnen, gezielt ausgewählte Proben zu sammeln und in versiegelten Probenröhren auf der Marsoberfläche zu deponieren – ein zentraler Baustein jeder zukünftigen Rückführungsmission.

In den vergangenen Wochen wurde von mir ein Schreiben an politische und institutionelle Adressaten auf den Weg gebracht, das genau diese Dimensionen adressiert: die wissenschaftliche Relevanz von MSR, ihre strategische Bedeutung für die Marsforschung sowie das Potenzial einer transatlantischen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa, insbesondere Deutschland. Der Zeitpunkt fällt in eine Phase, in der grundlegende strategische Weichenstellungen möglich erscheinen.


Die Vereinigten Staaten spielen bei Mars Sample Return eine Schlüsselrolle. Die Entwicklung zentraler Technologien für interplanetare Missionen – darunter Landung, Probenhandling, Start von der Marsoberfläche sowie Rückführung zur Erde – wird maßgeblich von US-amerikanischen Programmen und Industriepartnern vorangetrieben. Die bereits durch Perseverance gesicherten Proben verleihen diesen Planungen zusätzliche Dringlichkeit.

Gleichzeitig wird international an alternativen und kosteneffizienteren MSR-Architekturen gearbeitet. Industrie- und Agenturstudien zeigen, dass unterschiedliche technische Ansätze existieren, mit denen eine Probenrückführung innerhalb realistischer Budgetrahmen umgesetzt werden könnte.


Für das Jahr 2026 wird erwartet, dass die Vereinigten Staaten ihre Marsstrategie weiter konkretisieren. Ob dies eine klare Entscheidung zugunsten einer Mars-Sample-Return-Mission beinhaltet oder zunächst lediglich strategische Optionen und Prioritäten formuliert werden, bleibt offen.

Ebenfalls ungeklärt ist, ob eine zukünftige MSR-Mission national organisiert oder im Rahmen einer internationalen Partnerschaft umgesetzt würde. Europa und insbesondere Deutschland verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Marsforschung und gelten grundsätzlich als potenzielle Kooperationspartner.


Neben wissenschaftlichen Aspekten spielt auch der internationale Wettbewerb eine zunehmende Rolle. China arbeitet an einer eigenen Mars-Sample-Return-Mission mit einem anvisierten Zeitrahmen um 2030 und baut parallel seine Aktivitäten auf dem Mond aus. Vor diesem Hintergrund wird MSR zunehmend auch als geopolitisch relevante Mission wahrgenommen.


Unabhängig von konkreten Entscheidungen gilt Mars Sample Return weiterhin als eines der ambitioniertesten Projekte der planetaren Exploration. Die bereits gesicherten Proben auf dem Mars, der technologische Reifegrad zentraler Systeme sowie der internationale Wettbewerbs- und Kooperationsdruck erhöhen die Bedeutung strategischer Klarheit.

Ob und in welcher Form sich ab 2026 eine verbindliche Mars-Sample-Return-Strategie entwickelt, wird maßgeblich bestimmen, wie sich die internationale Marsforschung in den kommenden Jahren ausrichtet – wissenschaftlich, technologisch und geopolitisch.

Astrobiologie: Die faszinierendsten Weltraummissionen 2026

Das Jahr 2026 verspricht aus astrobiologischer Sicht ein außergewöhnlich spannendes Raumfahrtjahr zu werden. Neben der bemannten Artemis-II-Mission zum Mond, deren Start derzeit für 5. Februar 2026 geplant ist, stehen mehrere unbemannte Missionen im Fokus, die gezielt nach lebensfreundlichen Bedingungen, Biosignaturen und den Ursprüngen planetarer Systeme suchen – sowohl außerhalb als auch innerhalb unseres Sonnensystems.


Die NASA-Mission Artemis II wird die erste bemannte Reise seit Apollo 17 sein, bei der Astronauten wieder um den Mond fliegen. Vier Crewmitglieder starten an Bord des Orion-Raumschiffs auf einer etwa 10-tägigen Mission, in der Systeme für zukünftige Mondlandungen und langfristige Deep-Space-Erkundungen getestet werden.


Die NASA-Mission Pandora, ausgewählt im Rahmen des Pioneer-Programms, ist ein spezialisierter Kleinsatellit zur charakterisierten Untersuchung von Exoplanetenatmosphären. Ziel ist es, atmosphärische Signaturen von Exoplaneten präziser zu bestimmen, indem der störende Einfluss ihrer Zentralsterne systematisch herausgerechnet wird.

Pandora wird mindestens 20 Sterne mit insgesamt 39 bekannten Exoplaneten beobachten, die zuvor mithilfe der Transitmethode entdeckt wurden. Das Spektrum reicht von erdgroßen Gesteinsplaneten bis hin zu jupitergroßen Gasriesen, die K- und M-Sterne umkreisen.

Während eines Transits durchquert ein Teil des Sternlichts die Atmosphäre des Planeten. Pandora kombiniert dabei:

  • kontinuierliche Beobachtungen im sichtbaren Licht (Sternaktivität),
  • gleichzeitige Infrarotmessungen (planetare Atmosphären).

So lassen sich Effekte von Sternflecken, Flares und Helligkeitsschwankungen von tatsächlichen atmosphärischen Merkmalen der Planeten trennen. Der Fokus liegt auf Atmosphären, die Wasser, Wasserdampf oder wasserstoffreiche Komponenten enthalten – zentrale Voraussetzungen für potenzielle Lebensfreundlichkeit.

Der Start von Pandora ist für Anfang Januar 2026 an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Space Force Base geplant.


Die private Mission Venus Life Finder (VLF) verfolgt ein ambitioniertes Ziel: die direkte Suche nach organischen Molekülen in den gemäßigten Wolkenschichten der Venus, etwa in Höhen zwischen 45 und 65 Kilometern.

Auslöser für die Mission waren frühere Hinweise auf mögliche Biomarker in der Venusatmosphäre. VLF konzentriert sich jedoch nicht auf einzelne Stoffe, sondern auf ein breites Spektrum organischer Verbindungen, die auf chemische oder sogar biologische Prozesse hindeuten könnten.

Die Sonde wird nur etwa fünf Minuten Messzeit haben, während sie durch die relevanten Atmosphärenschichten fällt. Trotz dieser kurzen Dauer könnten erstmals In-situ-Daten aus einem potenziell lebensfreundlichen Bereich der Venus gewonnen werden.

Die Mission wird von Rocket Lab in Zusammenarbeit mit einem internationalen Wissenschaftsteam unter Leitung von Sara Seager (MIT) entwickelt. Der Start ist weiterhin für 2026 vorgesehen, ein genaues Datum steht noch aus.


Mit PLATO (PLAnetary Transits and Oscillations of stars) verfolgt die ESA einen langfristigen Ansatz zur Entdeckung und Charakterisierung erdähnlicher Planeten um sonnenähnliche Sterne.

Die Sonde ist mit 26 Kameras ausgestattet und wird über Jahre hinweg zwei große Himmelsregionen beobachten. Bis zu eine Million Sterne werden dabei überwacht. Im Vergleich zu früheren Missionen wie Kepler oder CoRoT erlaubt PLATO:

  • ein deutlich größeres Beobachtungsfeld,
  • höhere Präzision bei helleren Sternen,
  • gezielte Suche nach Gesteinsplaneten in der habitablen Zone.

Ergänzt werden die Transitbeobachtungen durch Asteroseismologie, um Masse, Alter und Struktur der Sterne präzise zu bestimmen – eine entscheidende Voraussetzung für die korrekte Interpretation planetarer Eigenschaften. Grundlage hierfür sind auch die hochgenauen Entfernungsdaten der ESA-Mission Gaia.

Die wissenschaftliche Gesamtleitung liegt bei Heike Rauer (DLR), beteiligt sind unter anderem das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung sowie zahlreiche europäische Forschungseinrichtungen.

Der Start von PLATO ist derzeit für Ende 2026, möglicherweise auch Anfang 2027, vorgesehen.


Ein zentraler, oft übersehener Baustein der astrobiologischen Forschung 2026 ist die japanische Mission MMX (Martian Moons eXploration) der JAXA.

MMX wird die beiden Marsmonde Phobos und Deimos untersuchen und erstmals Proben von Phobos zur Erde zurückbringen. Ziel ist es, die grundlegende Frage zu klären, ob die Marsmonde:

  • eingefangene primitive Asteroiden sind oder
  • aus Trümmern entstanden, die bei einer Kollision auf dem Mars ausgeworfen wurden.

Beide Szenarien haben erhebliche astrobiologische Bedeutung. Die Proben könnten:

  • organische Moleküle enthalten,
  • Material vom frühen Mars konserviert haben,
  • Hinweise auf den Transport von Wasser und organischer Chemie im inneren Sonnensystem liefern.

Zusätzlich wird MMX den Mars selbst aus dem Orbit untersuchen, darunter Staubtransport, Atmosphäre und die Wechselwirkungen zwischen Mars und seinen Monden.

Der Start von MMX ist für Ende 2026 geplant, die Rückkehr der Proben zur Erde für die frühen 2030er-Jahre.


2026 markiert einen strategischen Wendepunkt in der Astrobiologie:

  • Exoplaneten werden atmosphärisch immer präziser charakterisiert,
  • Venus rückt als potenziell lebensfreundliche Welt erneut ins Zentrum,
  • Mars und seine Monde werden als Archive früher organischer Chemie erschlossen.

Gemeinsam bilden diese Missionen die wissenschaftliche Grundlage für die nächste Phase der Suche nach Leben im Universum – von fernen Sternsystemen bis zu unserem kosmischen Nachbarn.

Pandora: Ein kleiner Satellit mit großer Wirkung für die Exoplanetenforschung

Der NASA-Kleinsatellit Pandora steht kurz vor dem Start – und könnte die Exoplanetenforschung nachhaltig verändern. Denn er adressiert ein zentrales methodisches Problem, das selbst modernste Großteleskope bislang nur unzureichend lösen: die Trennung von Stern- und Planetensignalen bei der Analyse von Exoplanetenatmosphären.

Pandora: Ein kleiner Satellit mit großer Wirkung für die Exoplanetenforschung
Pandora: Ein kleiner Satellit mit großer Wirkung für die Exoplanetenforschung (Symbolbild)

Pandora soll möglicherweise am 11. Januar 2026 starten. Der Satellit fliegt im Rahmen einer Rideshare-Mission gemeinsam mit anderen Kleinsatelliten an Bord einer SpaceX Falcon 9 von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien ins All.

Ursprünglich war der Start für Ende 2025 geplant, Verzögerungen durch die finale Missionsintegration verschoben ihn auf Anfang 2026. Nach den Feiertagen laufen die letzten Vorbereitungen – Pandora gilt als flugbereit.


Pandora wird mindestens 20 Sterne beobachten, in deren Systemen sich bis zu 39 bekannte Exoplaneten befinden. Eine endgültige Zielliste existiert bewusst nicht – stattdessen nutzt das Team eine „Notional Target List“, die bis kurz vor Missionsbeginn angepasst werden kann.

Gründe dafür:

  • Neue Entdeckungen durch TESS und andere Teleskope können noch integriert werden.
  • Transitzeiten und Sternaktivität werden laufend präzisiert.
  • Beobachtungsprioritäten lassen sich optimieren.

Sehr wahrscheinliche Zielsysteme:

  • TRAPPIST-1: Mehrere erdgroße Planeten um einen aktiven M-Zwerg
  • L 98-59 c und d: Super-Erden
  • GJ 486 b: Heiße Super-Erde, wichtiges Testobjekt
  • GJ 3470 b und GJ 436 b: Sub-Neptune

Ziel ist es, eine möglichst breite Bandbreite abzudecken – von kleinen Gesteinsplaneten bis hin zu gasreichen Welten.


Pandora ist keine klassische Entdeckungsmission. Ihr wissenschaftlicher Kernauftrag ist die Lösung eines seit Jahren bekannten Problems: stellare Kontamination.

Das Problem

Sternflecken (kühl) und Faculae (heiß) verändern das Spektrum eines Sterns. Diese Effekte können im Infrarotbereich Signaturen erzeugen, die Wasser, Methan oder andere atmosphärische Bestandteile eines Planeten vortäuschen. Besonders kritisch ist das bei:

  • kleinen Planeten
  • aktiven K- und M-Zwergen
  • dünnen oder grenzwertigen Atmosphären

Auswahlkriterien

Daraus ergeben sich drei zentrale Prinzipien:

  1. Transitmethode: Nur Planeten, die aus irdischer Sicht vor ihrem Stern vorbeiziehen
  2. Sternentyp: Fokus auf K- und M-Zwerge – starke Transitsignale, aber astrophysikalisch „unruhig“
  3. Atmosphärische Ambivalenz: Bevorzugt werden Planeten mit möglichen Spuren von Wasser, Methan, Wolken oder Dunst

Pandora unterscheidet sich durch ihren Dual-Channel-Ansatz:

  • Sichtbares Licht: Kartierung von Sternflecken und Helligkeitsschwankungen
  • Infrarot: Analyse der planetaren Atmosphären

Der entscheidende Punkt: beides gleichzeitig. Sternflecken treten im sichtbaren Licht stärker hervor als im Infrarot. Pandora kann so bestimmen, welcher Teil des Signals vom Stern stammt – und diesen Einfluss aus den Atmosphärendaten herausrechnen.


Großteleskope wie das James Webb Space Telescope (JWST) sind extrem leistungsfähig, aber:

  • massiv überbucht
  • zeitlich stark begrenzt
  • nicht für Langzeitüberwachung einzelner Sterne ausgelegt

Pandora schließt diese Lücke:

  • Jeder Zielstern wird bis zu zehnmal jeweils rund 24 Stunden beobachtet
  • Langfristige Entwicklung von Sternflecken wird erfasst
  • Ergebnisse dienen als Referenzdaten für JWST, ELT und zukünftige Missionen

Mit einem Budget von rund 20 Mio. US-Dollar zeigt Pandora, welches Potenzial in gezielten SmallSat-Missionen steckt.


Kleinsatelliten bergen höhere Risiken:

  • weniger Redundanz
  • geringere Testtiefe
  • begrenzte Hardware-Reserven

Die ersten Stunden nach dem Aussetzen ins All sind kritisch. Pandora profitiert jedoch von einem vergleichsweise einfachen Missionsprofil:

  • keine Landung
  • kein atmosphärischer Eintritt
  • keine komplexen Entfaltungsmechanismen

Übersteht Pandora die ersten Tage stabil, stehen die Chancen gut, dass sie länger betrieben werden kann.


Eine Extended Mission ist realistisch, wenn:

  • die Instrumente stabil arbeiten
  • die Datenqualität überzeugt
  • der wissenschaftliche Mehrwert klar belegt wird

Dann könnten:

  • weitere 20–30 Sterne beobachtet werden
  • ein umfassender Katalog zur Sternaktivität entstehen
  • zukünftige Exoplanetenmissionen gezielt vorbereitet werden

Pandora ist aus astrobiologischer Perspektive besonders spannend, weil sie die Grundlage für belastbare Aussagen über Exoplanetenatmosphären schafft. In der Suche nach Biosignaturen – Wasser, Sauerstoff, Methan oder Ozon – ist entscheidend, was tatsächlich vom Planeten stammt und was vom Stern verursacht wird.

Pandora als Validierungsmission

  • Simultane Messung in sichtbarem Licht und Infrarot
  • Auflösung der stellaren Aktivität
  • Wiederholte Beobachtungen über Wochen und Monate

So können scheinbare Biosignaturen als Artefakte identifiziert oder ihre planetare Natur gestärkt werden. Pandora entscheidet indirekt, welche Signale als robust gelten dürfen, und liefert Referenzdaten für JWST, ELT, ARIEL, LIFE oder das Habitable Worlds Observatory.

Fazit: Pandora entdeckt selbst kein Leben – sie filtert Fehlinterpretationen und schafft damit die methodische Grundlage, auf der zukünftige Exoplanetenmissionen aufbauen.


Pandora ist keine Mission für Schlagzeilen, aber eine der einflussreichsten Exoplanetenmissionen dieses Jahrzehnts. Sie zeigt, dass gezielte SmallSat-Missionen selbst mit begrenztem Budget bahnbrechende methodische Fortschritte erzielen können – und dass das präzise Verständnis von Sternen und Planeten die Grundlage für jede ernsthafte Suche nach Leben außerhalb des Sonnensystems ist.