Seit Jahren suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Antworten auf eine der größten Fragen der Raumfahrt:
Gab es jemals Leben auf dem Mars?
Zwei neue Studien auf Basis von Daten des NASA-Rovers Perseverance liefern nun ein immer klareres Bild – und es ist aus astrobiologischer Sicht äußerst spannend.
Ein stabiler See statt kurzer Überschwemmungen
Im Jezero-Krater, dem Landeplatz von Perseverance, mündete vor Milliarden Jahren ein Fluss namens Neretva Vallis. Die neue Analyse zeigt: Dieses Tal wurde nicht nur durch einzelne Flutereignisse geformt, sondern durch langanhaltenden Wasserfluss.
Das bedeutet: Im Jezero existierte sehr wahrscheinlich ein dauerhafter See, gespeist von Flüssen, mit ruhigen Ablagerungszonen und wechselnden Wasserständen – ganz ähnlich wie Seen auf der Erde.
Solche stabilen Gewässer gelten in der Astrobiologie als besonders günstig, weil sie:
- Nährstoffe konzentrieren
- Energiequellen bereitstellen
- feine Sedimente ablagern, die organisches Material einschließen können
Kurz gesagt: Genau solche Umgebungen gelten als potenziell lebensfreundlich.
Karbonatgesteine – natürliche Tresore für Biosignaturen
Noch wichtiger ist, was Perseverance am Rand des Kraters entdeckt hat: große Vorkommen sogenannter karbonathaltiger Gesteine.
Karbonate entstehen in Gegenwart von Wasser und Kohlendioxid. Auf der Erde sind sie berühmt dafür, mikrobielle Spuren über Milliarden Jahre zu konservieren – inklusive organischer Moleküle und mikroskopischer Strukturen.
Die Rover-Aufnahmen zeigen, dass diese Mars-Karbonate in klaren Schichten aufgebaut sind. Das spricht für Seeufer-Prozesse: Wellen, Sedimentumlagerung und chemische Ausfällung entlang einer alten Küstenlinie. Gleichzeitig weisen Teile der Gesteine auf Wasserzirkulation im Untergrund hin.
Damit dokumentiert der Jezero-Rand gleich zwei potenziell bewohnbare Umgebungen:
- Oberflächenwasser im See
- wasserreiche Systeme im Untergrund
Beide gelten als hervorragende Nischen für mikrobielles Leben.
Warum das für die Lebenssuche entscheidend ist
Diese Kombination ist außergewöhnlich:
- Langfristiges Oberflächenwasser
- chemisch aktive Karbonate
- Sedimente, die organisches Material einschließen können
Genau deshalb wurde Jezero ursprünglich als Landeplatz ausgewählt.
Perseverance hat bereits mehrere Proben dieser karbonatreichen Gesteine gesammelt. Sollte die Mars Sample Return Mission sie eines Tages zur Erde bringen, könnten Labore mit höchster Präzision nach Biosignaturen suchen – also nach chemischen oder strukturellen Hinweisen auf früheres Leben.
Zum ersten Mal hätten wir dann Material aus einem eindeutig lebensfreundlichen Mars-See in unseren Händen.
Der Jezero-Krater als Fenster in die biologische Vergangenheit des Mars
Zusammengenommen zeigen die neuen Ergebnisse:
Der Jezero-Krater war kein trockener, kurzlebiger Tümpel – sondern ein komplexes Fluss-See-System mit stabilen Wasserbedingungen, aktiver Geochemie und hervorragenden Erhaltungsmöglichkeiten für biologische Spuren.
Astrobiologisch ist das kaum zu übertreffen:
Der Mars hat uns hier möglicherweise einen seiner besten Hinweise auf vergangenes Leben hinterlassen – sorgfältig konserviert in Karbonatgestein, wartend auf die Rückkehr zur Erde.